Mögen wir noch so verschieden sein, eint uns doch die Tatsache, dass Du und ich irgendwann sterben werden. Hoffentlich nicht bereits heute oder morgen, aber auch Dich wird sie besuchen: Deine letzte Stunde. Über die Vorteile einer bewussten Endlichkeit habe ich meine Gedanken bereits in diesem Artikel  mit Dir geteilt. Von Herzen wünsche ich Dir Einfluss auf Deinen letzten Lebensort, welcher hoffentlich von Liebe und Geborgenheit geprägt ist.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass Du Dir bis anhin keine Gedanken zu Deinen letzten vier Wänden gemacht hast. So ging es mir jedenfalls. Bis zum Moment, als ich mit dem Umstand des Todes konfrontiert wurde. In einem sterilen Krankenhauszimmer, ganz hinten am Flur. In dem selten Besuch von Pflegefachpersonen möglich war. So zu sterben fand ich unmenschlich. Doch ist es teilweise Alltag. Aus verschiedenen Gründen. Zum einen besucht Dich die Überforderung, wenn Du plötzlich mit dem Umstand des Sterbens konfrontiert bist. Andererseits herrscht teilweise mangelnde Aufklärung über die Möglichkeiten des letzten Lebensorts. Dazu kommt, dass es weniger Hospizbetten gibt, als nötig wären. Was ich damals gelernt habe: Das Sterben an den Rand der Möglichkeiten zu schieben, bringt unerwartete Herausforderungen mit sich. Für Sterbende wie Angehörige.

Menschen, welche kein persönliches Umfeld in ihrem Leben haben, sind von diesem Umstand noch stärker betroffen. Diese Tatsache bewog mich unter anderem dazu, meinen Blog zu starten. Denn nur wenn wir aufgeklärt sind und uns mit dem Tod beschäftigen, haben wir die Möglichkeit in einem passenden Umfeld und nach unseren Wünschen zu sterben. Eine Garantie dazu gibt es selbstverständlich nie, dazu mischt der Zustand vom Leben zu stark mit. Dich rechtzeitig mit dem Sterben zu beschäftigenn, kann Dich dabei unterstützen, einen offeneren Umgang mit dem Tod zu finden. Je mehr Menschen sich mit den Fragen rund um den Tod beschäftigen, umso vermehrter wird Platz für neue Möglichkeiten entstehen.

 

Macht dieser Blog denn einen Sinn?

 

Bei allem was ich tue, ist dieser Umstand mein Ansporn: Für einen Menschen kann es den nötigen Unterschied bedeuten. Es ist mir wichtig, eine positive Veränderung auf dieser Welt zu bewirken.  Wenn «nur» eine Person dank eigenen Handlungen neue positive Blickwinkel findet, lohnt sich in meinen Augen jede Bemühung. Abgesehen davon, verfügen positive Auswirkungen in der Regel über einen grösseren Wirkungskreis. Dieses Gefühl ist unbezahlbar und ich bin mir sicher, dass genau diese Tatsache uns Menschen ausmacht. Aufeinander zu achten und uns gegenseitig zu unterstützen.

 

Das Gleiche gilt für die Zeit, in welcher der Körper sich langsam darauf vorbereitet, unsere Seele zu verabschieden. Aus genau dem Antrieb heraus, entstand beispielsweise das Hospiz in Lörrach, grenznah zu der Schweiz. Diese Kraft und Entschlossenheit der Initianten berühren mein Herz.

 

In Momenten des Übergangs und Abschieds durch die Hände anderer Menschen gestützt und getragen zu werden, ist unendlich wertvoll. Die Würde für unseren Tod, das Sterben und den Abschied von der Welt steht uns nämlich unvoreingenommen allen zu. Unser Herz braucht Nahrung durch Liebe, Geborgenheit und Zuwendung. Natürlich nicht erst, wenn wir den Tod vor Augen haben. Aber besonders dann, wenn die Zeit für zweite Chancen fehlt.

 

Hospiz Lörrach

 

Wie willst Du einmal sterben?

 

In unserer westlichen Wohlstandskultur einen Platz zum Sterben zu finden, ist mit Bemühungen verbunden. Zuhause im gewohnten Umfeld sterben zu dürfen, wäre wahrscheinlich die schönste Art. Doch nicht alle Menschen haben Familie und längst nicht alle Familien können oder wollen die palliative Betreuung übernehmen. Gewisse Sterbeprozesse erfordern eine Rundumbetreuung, welche in den eigenen Zimmern nicht gewährleistet werden kann.

Glücklicherweise gibt es heute bereits einige Hospize. Orte, an denen Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet werden. Ohne Besuchsregeln und mit viel Liebe sowie persönlichem Einsatz, anstelle Bürokratie. Naja fast, nämlich bis auf die Bedingung fünf Prozent der Betriebskosten eines Hospizes über Spenden zu finanzieren. Bei einem 24 Stunden-Rundum-Betrieb fallen nachvollziehbare und hohe Kosten an. Durch diese Regelung des Gesetzgebers gehen diese fünf Prozent also ziemlich ins Geld. Für eine Wohlstandskultur wie unsere DACH-Region fand ich dies zuerst einen irritierenden Umstand. Die Bemühungen und Relevanz von Hospizen wird jedoch stetig verbessert. So ist es heute eine Krankenkassenleistung, im Hospiz sterben zu dürfen.

 

Ein weiterer Umstand, welcher mich zum Nachdenken bewegt: Die Zahlen der palliativ betreuten Menschen steigen jährlich an. Aktuell gibt ca. 2300 Hospizbetten, in denen pro Jahr etwa 30 Tausend Menschen versorgt werden. Krebserkrankungen mit Todesfolge sind jedoch leider nur ein Beispiel, welche ebenfalls über die Jahre massiv zunehmen. Logisch betrachtet bedeutet dieser Umstand also, dass dringend und rasch eine deutlich erhöhte Anzahl Betten benötigt werden. Das alles sind keine leeren Zahlen, denn hinter jeder Diagnose steht ein Mensch. Mit Gefühlen und Ängsten, wie Du sie selbst von Dir kennst.

 

Es geht nicht darum, einen Ort zum Sterben zu finden und ermöglichen. 
Sondern in der letzten Lebensphase möglichst viel Lebensqualität 
zu garantieren. 

Da bereits ein zusätzliches Hospiz-Zimmer erhebliche Kosten von zwölf- bis fünfzehntausend Euro generiert, ist eine breite Unterstützung nötig. Eine aktuelle Spendenaktion hat sich das erwähnte Hospiz am Buck in Lörrach überlegt. Auf dem Freiburger MegaMarsch begeben sie sich auf den Weg, für jeden der 50 marschierten Kilometer Spendenbeiträge zu sammeln. Meine Spende steht auf jeden Fall und ich hoffe auf grösstmögliche Solidarität und Nächstenliebe.

Wenn Du das Hospiz am Buck ebenfalls finanziell unterstützen möchtest, kannst Du das über diesen Link.
Für weitere Fragen kannst Du Dich gerne bei Toni Leypoldt melden. teamsuedwest@web.de

 

Zu arm zum Sterben?

Neben fehlenden Geldern kann es weitere Hürden geben, welche das Sterben in einem Hospiz verhindern. Zum einen gibt es Wartelisten für diesen letzten befristeten Wohnort. Mangelnde Betten führen dazu, dass Menschen teilweise an Hospize verwiesen werden müssen, welche weit von ihren Liebsten entfernt sind. Eine andere Hürde besteht darin, dass viele Menschen diese Möglichkeit der letzten Wohnform nicht kennen. Oder sie von anderen Institutionen davon abgehalten werden, ihre sterbenden Angehörigen dorthin zu verlegen. Dann geht es ihnen vielleicht wie meinem verstorbenen Schwiegervater, welcher im letzten Winkel eines deutschen Krankenhauses seine letzten Atemzüge erlebte.

 

Auf Missstände hinzuweisen ist meine Aufgabe. Anzuklagen jedoch weder in meinem Sinne noch situationsverändernd. Darum wähle ich den Wissenstransfer, um auf diese Lage aufmerksam zu machen, welche uns alle einmal betreffen könnte. Dich, mich, unsere Liebsten. Bis ich vor einigen Jahren von einer auf die andere Sekunde vom Leben dazu aufgefordert wurde, mir die Fragen «Wo und wie möchte ich sterben?» zu stellen, wusste ich zwar, dass es die Institutionsform Hospiz gibt. Es fehlte mir jedoch das Wissen, dass diese oft auf private Initiativen entstehen und dank ehrenamtlicher Tätigkeit ermöglicht werden.

Über 120’000 Menschen engagieren sich in unterschiedlichster Form dafür, dass Sterbende in ihren letzten Wochen, Tagen und Stunden warm und geborgen leben können. Für diesen wertvollen unermüdlichen Einsatz bin ich unendlich dankbar und froh.

Menschlichkeit zeigt sich im Umgang mit Armen und Kranken. 

 

Als Schweizerin ist es für mich Normalität, dank diverser Organisationen gewissen Einfluss auf die Art meines Sterbens zu haben. Die Wichtigkeit von einem Hospiz ersetzt dieser Umstand jedoch auch in der Schweiz nicht. Um Deine Selbstbestimmung weiterhin zu ermöglichen, setze ich mich weiter für einen offeneren Umgang mit dem Tod ein. Du unterstützt also mit einer Spende nebst dem Hospiz am Buck ebenfalls meine Arbeit. Dafür sage ich Dir von Herzen „DANKE“.

Mehr zum Mega Marsch Freiburg:

Am Samstag, 7. Dezember 2019 laufen stellvertretend Frank Vogt, Toni Leypoldt, Elaine Leypoldt und alle, die sich mit auf den Weg machen, für eine gute Sache.

Unterstützung ist durch Kilometergeld möglich. Alle Spenden werden direkt ans Hospiz am Buck weitergegeben.

Flyer (pdf)